KI-Abo-Karussell: ChatGPT, Gemini, Grok und Claude im Vergleich

Man könnte meinen, nach einem Jahr mit verschiedenen KI-Abonnements hätte ich die Antwort gefunden. Habe ich nicht. Aber ich weiss jetzt viel besser, was ich von wem erwarten kann – und was nicht.

ChatGPT: Der solide Allrounder

ChatGPT ist das Schweizer Sackmesser unter den KIs. Kann vieles, nichts davon ist sensationell – aber im Durchschnitt ganz ordentlich. Legt sich nie ganz so fest, bleibt lieber vage als konkret. Was mich wirklich überzeugt: die iOS-App macht einfach Spass, und die Memory-Funktion funktioniert solide. Mit Atlas hat OpenAI zudem einen eigenen Browser im Angebot, der tatsächlich hilfreich sein kann. Was mich stört: die Zusammenarbeit mit dem Militär. Das passt nicht zu meinen Werten – und hat letztendlich den Ausschlag gegeben zu kündigen.

Drei Stärken

  • Solide Memory-Funktion, die zuverlässig funktioniert
  • iOS-App ist angenehm und macht Spass in der Nutzung
  • Atlas-Browser als praktisches Zusatztool

Drei Schwächen

  • Bleibt oft vage, legt sich ungern fest
  • Militärkooperation von OpenAI ist ein Vertrauensbruch
  • Nichts, was wirklich heraussticht – solide, aber selten begeisternd

Gemini: Google-Power, aber mit Haken

Wer sowieso schon tief im Google-Ökosystem steckt, findet bei Gemini echte Synergien. NotebookLM alleine ist schon bemerkenswert. Gemini ist konkreter in seiner Meinung als ChatGPT, hat Bonus-Tipps parat und ist beim Thema Shopping und Sparen tatsächlich nützlich. Grafisch kann es einiges. Der grosse Frustrationspunkt: ein Abo-Upgrade zwingt dich in einen Workspace-Account – das fühlt sich an wie eine Falle. Dazu kommt eine schwache Memory-Funktion, die mich wirklich gestört hat. Für mich ein K.O.-Kriterium.

Drei Stärken

  • NotebookLM ist ein echtes Highlight – kaum woanders verfügbar
  • Starke Google-Integration für wer sowieso im Ökosystem ist
  • Beim Shopping und Sparen überraschend nützlich und konkret

Drei Schwächen

  • Abo-Upgrade zwingt in einen Workspace-Account – fühlt sich wie eine Falle an
  • Memory-Funktion schwach und unzuverlässig
  • Browser-Integration in der Schweiz nicht verfügbar

Grok: Der Frechdachs mit Echtzeit-Superpower

Grok überrascht immer wieder. Vor allem was Echtzeit-News angeht, ist er allen anderen überlegen. Was mich wirklich begeistert: Grok ist der einzige, der zuverlässig auf Social-Media-Posts antwortet und einschätzt, ob eine These oder Behauptung wasserdicht ist. Einen Instagram-Link hinwerfen und fragen «stimmt das?» – und man bekommt eine echte Analyse. Dazu ist er schnell, unkompliziert, nicht bieder, manchmal frech – und bei der Generierung von Bildern und Videos grosszügig und überraschend gut. Ich habe damit sogar ein ganzes Musikvideo erstellt – kostenlos, ohne Abo. Der Haken: Elon Musk. Ich bin mir nie ganz sicher, wo meine Daten landen und was damit passiert. Das Vertrauen fehlt mir.

Drei Stärken

  • Echtzeit-News und Social-Media-Faktencheck – einzigartig und zuverlässig
  • Schnell, unkompliziert, nicht bieder – geht am einfachsten von der Hand
  • Bild- und Videogenerierung grosszügig, qualitativ stark – und kostenlos

Drei Schwächen

  • Elon Musk als Eigentümer – Datenschutz und Vertrauen fraglich
  • Politisch gefärbt durch den X-Kontext
  • Für komplexe, strukturierte Langzeitprojekte weniger geeignet

Claude: Mein aktuelles Abo – mit Vorbehalt

Claude schreibt am schönsten. Das ist keine Kleinigkeit. Wer viel mit KI kommuniziert, merkt den Unterschied: Etwas Witz, Charme, direkte Aussagen – Claude fühlt sich am wenigsten nach Maschine an. Was mich aber wirklich überrascht hat: Ich ertappe mich dabei, dass ich mich bei Claude am ehesten öffne. Die Antworten gehen über das rein Technische hinaus – psychologisch klug, ohne dass es therapeutisch wirkt. Kreative Texte, tiefgründige Recherchen, E-Mails, Zusammenfassungen – top. Die Fähigkeit, auf meinen Rechner zuzugreifen und Dinge fernzusteuern, ist fast schon gruselig beeindruckend. Websites und Designs in HTML, Präsentationen – stark. Aber: Claude liegt bei Gerätefragen und technischen Spezifikationen öfter daneben als mir lieb ist. Und die Limits nerven – als erster Bezahlt-Account, bei dem ich wirklich an Grenzen gestossen bin.

Drei Stärken

  • Schreibstil und Kommunikation – der menschlichste unter den KIs
  • Kreative Texte, Zusammenfassungen und Konzepte auf hohem Niveau
  • Computer-Zugriff und HTML/Design-Erstellung beeindruckend

Drei Schwächen

  • Liegt bei Geräte-Research und technischen Spezifikationen öfter falsch
  • Limits bei Anfragen nerven – als einziger Bezahldienst, bei dem ich wirklich anstand
  • Keine Bildgenerierung

Fazit

Es gibt keine perfekte KI. Jede hat ihr Ding – und im Grunde wäre das auch kein Problem. Man könnte durchaus mit verschiedenen KIs für verschiedene Aufgaben arbeiten: Grok für Echtzeit-News und Social-Media-Checks, Claude für kreative Texte und tiefgründige Gespräche, Gemini wenn man tief im Google-Ökosystem steckt. Das klingt vernünftig. Das Problem dabei: Jedes Abo kostet. Und wer ohnehin schon für Spotify, Netflix, Adobe, iCloud und was auch immer zahlt, steht irgendwann vor der Frage, wo man sein nächstes Abo-Budget sinnvoll investiert. Es ist weniger eine technische Entscheidung als eine Budget-Frage. Im Moment bleibe ich bei Claude – wegen der Kommunikation und der kreativen Stärken. Grok nutze ich kostenlos nebenbei. Die anderen behalte ich im Auge – sporadische Querchecks in der Free-Version gehören dazu. Das Karussell steht nie wirklich still.

Cy

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