CT-Scans: Lebensretter mit Langzeitfolgen? Was wir über das Krebsrisiko wissen sollten

Computertomographie-Scans, kurz CTs, sind aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken. Sie liefern detaillierte Einblicke in unseren Körper, helfen bei der Diagnose von Krankheiten und Verletzungen und können im wahrsten Sinne des Wortes Leben retten. Auch ich kenne CT-Scans nur zu gut – seit meiner Krebsdiagnose im Jahr 2018 sind sie für mich ein regelmässiger Bestandteil der Nachsorge geworden. Doch neben dem unbestreitbaren Nutzen gibt es auch eine Debatte über potenzielle Langzeitrisiken, insbesondere im Hinblick auf Krebs.

Die Zahlen: Individuelles vs. Bevölkerungsrisiko

Aktuelle Berichte und Studien, wie die von Forschern der University of California, San Francisco (UCSF), werfen ein Schlaglicht auf die kumulativen Auswirkungen der zunehmenden CT-Nutzung. Eine Projektion für die USA legt nahe, dass die im Jahr 2023 durchgeführten CT-Scans (rund 93 Millionen Scans bei 62 Millionen Patienten) zu schätzungsweise 103’000 zukünftigen Krebsfällen führen könnten. Das klingt alarmierend.

Es ist jedoch entscheidend, dies richtig einzuordnen:

  1. Individuelles Risiko: Für eine einzelne Person ist das theoretische Risiko, durch einen einzigen CT-Scan an Krebs zu erkranken, äusserst gering. Schätzungen sprechen von einer Erhöhung des lebenslangen Krebsrisikos um etwa 0,1% pro Untersuchung. Ärzte betonen daher zu Recht, dass niemand aus Angst eine medizinisch notwendige CT-Untersuchung ablehnen sollte. Der diagnostische Nutzen überwiegt in diesen Fällen bei weitem das minimale Risiko.
  2. Bevölkerungsrisiko: Das Bild ändert sich, wenn man die Gesamtbevölkerung betrachtet. Die schiere Menge an durchgeführten Scans – deren Zahl allein in den USA seit 2007 um über 30% gestiegen ist – führt dazu, dass selbst ein minimales individuelles Risiko aufsummiert zu einer erheblichen Anzahl potenzieller zukünftiger Krebsfälle wird. Diese 103’000 Fälle entsprechen etwa 5% aller jährlichen Krebsneudiagnosen in den USA – ein Risiko, das in seiner Grössenordnung mit bekannten Faktoren wie Alkoholkonsum oder Übergewicht verglichen wird.

Warum die Sorge? Und wer ist besonders betroffen?

Die Sorge der Wissenschaftler rührt vor allem daher, dass nicht jeder durchgeführte CT-Scan zwingend notwendig ist. „Unnötige“ Scans setzen die Bevölkerung einer vermeidbaren Strahlenbelastung aus.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei bestimmten Risikogruppen:

  • Kinder: Ihr junger Organismus reagiert empfindlicher auf Strahlung, und sie haben eine längere Lebenszeit, in der sich ein potenzieller Schaden manifestieren könnte. Schätzungsweise 9’700 der prognostizierten Krebsfälle könnten Kinder betreffen.
  • Patienten mit Mehrfach-Scans: Hier komme ich ins Spiel. Wer, wie ich zur Krebsnachsorge, regelmässig CT-Untersuchungen benötigt, sammelt über die Zeit eine höhere Strahlendosis an. Studien deuten darauf hin, dass dies das Risiko stärker erhöhen kann als bei Einzeluntersuchungen.
  • COVID-19-Patienten: Auch hier gab es Bedenken wegen teils häufiger Lungen-CTs zur Diagnostik und Verlaufsbeobachtung.

Die Perspektive eines Betroffenen und Expertenempfehlungen

Als jemand, der seit Jahren auf regelmässige CT-Scans angewiesen ist, um sicherzustellen, dass der Krebs nicht zurückkehrt, lese ich solche Nachrichten natürlich mit gemischten Gefühlen. Einerseits bin ich dankbar für die Technologie, die mir und meinen Ärzten Sicherheit gibt. Andererseits macht die Vorstellung einer potenziellen Langzeitfolge nachdenklich.

Für mich und viele andere in ähnlichen Situationen sind diese Scans jedoch nicht optional, sondern ein essenzieller Teil der medizinischen Überwachung. Das Vertrauen in das behandelnde Ärzteteam und die sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko sind hier entscheidend.

Experten raten generell zu einem bewussten Umgang mit CT-Scans:

  • Notwendigkeit prüfen: Ist der CT-Scan wirklich die beste oder einzige Methode zur Diagnose?
  • Alternativen erwägen: Könnten strahlenfreie Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) oder Ultraschall ähnliche Informationen liefern?
  • Dosis minimieren: Moderne Geräte und Protokolle ermöglichen oft eine Reduzierung der Strahlendosis ohne Verlust an diagnostischer Qualität.
  • Offene Kommunikation: Patienten sollten mit ihren Ärzten über die Notwendigkeit, Alternativen und die Strahlenbelastung sprechen.

Fazit: Bewusstsein statt Panik

CT-Scans sind und bleiben ein unverzichtbares Werkzeug in der Medizin. Die Diskussion um das Krebsrisiko sollte nicht zu unbegründeter Angst führen, die Patienten davon abhält, notwendige Untersuchungen durchführen zu lassen. Sie sollte jedoch das Bewusstsein schärfen – bei Ärzten wie bei Patienten – für einen verantwortungsvollen Einsatz dieser Technologie. Für mich persönlich bedeutet das: Ich werde meine notwendigen Nachsorge-CTs weiterhin machen, im Wissen um ihre Bedeutung für meine Gesundheit, aber auch im Bewusstsein, dass jede unnötige Strahlenbelastung vermieden werden sollte. Ein offener Dialog mit meinen Ärzten ist dabei mein wichtigstes Instrument.


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